SPEZIELLE SCHMERZTHERAPIE
Zunächst eine gute NachrichtSozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten. Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik im Rahmen der spezielle n Schmerztherapie behandelt zu werden, er braucht also nicht irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren und kann unter Hinweis auf das Urteil gleich Widerspruch einlegen. Hier gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik
Weiter unten werden spezielle Nervenblockadetechniken beschrieben, wie sie in der spezielle n Schmerztherapie zunehmend Anwendung finden.
Die Spezielle Schmerztherapie umfaßt die gebietsbezogene Diagnostik und Therapie chronisch schmerzkranker Patienten, bei denen der Schmer z seine Leit- und Warnfunktion verloren und einen selbständigen Krankheitswert erlangt hat.
Voraussetzungen zur Erlangung der Gebietsbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie":
Weiterbildungsinhalte für die spezielle Schmerztherapie:
Unser Chefarzt hat die volle Weiterbildungsermächtigung für das Fachgebiet "Spezielle Schmerztherapie".
In Bad Mergen theim findet in Zusammenarbeit mit medikolleg zwei mal jährlich die 80-stündige standardisierte, theoretische Weiterbildung für die Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" statt. Diese Weiterbildung zeichnet sich durch Praxisnähe aus, in dem zu den jeweiligen Krankheitsbildern auch Patienten vorgestellt werden. Darüber hinaus werden in unserer Klinik spezielle Behandlungsmethoden demonstriert.
Folgende Krankheitsbilder sollten sinnvollerweise im Rahmen der spezielle n Schmerztherapie“ behandelt bzw. mitbehandelt werden:
Die „spezielle Schmerztherapie“ ist aufgrund der Beeinträchtigung sowohl körperlicher als auch seelischer und sozialer Fähigkeiten durch eine chronische Schmerzerkrankung auf multimodale Therapiekonzepte ausgelegt. D.h., daß neben körperlichen Therapien wie Medikamenten (u.a. Analgetika (= Schmerzmittel), Psychopharmaka), Spritzentherapien, Krankengymnastik, anderen körperlichen Anwendungen, Chirotherapie, oder Akupunktur auch psychologische Verfahren zur Schmerztherapie eingesetzt werden sollten. Hierbei haben sich insbesondere Entspannungstechniken (Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Autogenes Training) sowie die Auseinandersetzung mit Verfahren der Schmerzbewältigung als sinnvoll herausgestellt. Da solche Therapiekonzepte sehr aufwendig und kostspielig sind, ist oft eine ambulante, spezielle Schmerztherapie - besonders in Zeiten der Kosteneinsparung im Gesundheitswesen - nicht durchführbar.
Im Folgenden werden spezielle Maßnahmen im Rahmen der therapeutischen Lokalanästhesie erläutert, die einen wichtigen Platz im Rahmen einer multimodal angelegten, spezielle n Schmerztherapie einnehmen können.
Unter dem Begriff "therapeutische
Lokalanästhesie
" werden sämtliche Schmerzausschaltungsmethoden, deren Wirkung auf
Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) beruhen, zusammengefaßt.
In der
spezielle
n Schmerztherapie wird die
therapeutische Lokalanästhesie in Form von
örtlichen Infiltrationsanästhesien, Nerven- und Leitungsblockaden,
rückenmarknahen und Grenzstrangblockade
n durchgeführt. Hauptsächlich werden
dazu lang wirkende
Lokalanästhetika,
z.B. Bupivacain verwendet. Die wiederholten Betäubungen können in Form von
Einzelinjektionen durchgeführt werden, mit dem Nachteil, daß diese oft
schmerzhaft sind und die Treffsicherheit nicht jedes mal gewährleistet ist.
Die Erfolgschancen sind um so größer, wenn der betroffene Nerv über einen
längeren Zeitraum sozusagen anhaltend betäubt werden kann. Dies bedeutet aber,
daß täglich 4-5 Einzelinjektionen an derselben Stelle notwendig sind. Man kann
sich vorstellen, daß diese Handhabung für den Patienten oftmals eine Tortur
bedeutet und sich deshalb meist nicht so konsequent durchführen läßt.
Dieses Problem haben wir für einige
Nerven durch die Anwendung der sog.
kontinuierlichen Blockade mittels eines Katheters gelöst. Dabei wird der dünne
Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven
eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt nahezu schmerzfrei durch eine
handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“
werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach
Abklingen der vorangegangenen Dosis, das
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel) völlig
schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des
örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe
angeschlossen werden.
Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung
so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der
Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen
möglich bleiben.
Nach längerer,
spezielle
r Schmerztherapie (z.B. 2-3 Wochen) verbleibt in
den meisten Fällen deutliche
Schmerz
linderung, oft aber auch Schmerzfreiheit.
Dieser anhaltende Effekt über die Behandlungszeit hinaus ist u.a. darauf
zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen
Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung
resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei
Schmer
zen, die durch entzündliche oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte)
Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Diese Mehrdurchblutung optimiert auch
einen schmerzverursachenden, gestörten
Nerven
zellstoffwechsel. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine
solche Behandlung auch das „Schmerzgedächtnis“ im Gehirn zu löschen.
Folgende Katheterblockaden wurden in unserer Schmerzklinik entwickelt und werden seit vielen Jahren mit hoher Treffsicherheit routinemäßig im Rahmen der spezielle n Schmerztherapie angewendet:
Nervus femoralis (vorderer
Oberschenkel
nerv): Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des
Oberschenkel
s her, handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kanüle in der
Tiefe den Oberschenkelnerv auf und legen in die Nervenscheide (Gewebsumhüllung
des Nerven) einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) ein. In den nächsten 2-3
Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich eine verdünnte örtliche Betäubungsmittellösung ein. Dabei wählen wir die Konzentration des Wirkstoffes
so, daß die grobe Kraft und damit die Beweglichkeit erhalten bleibt, aber die
Schmerzempfindlichkeit deutlich herabgesetzt oder gar aufgehoben ist.
Anwendungsgebiete:
spezielle Schmerztherapie bei
Oberschenkelschmerzen (z.B. nach Amputationen),
Kniegelenkschmerzen (Arthrosen
usw.) und zum Teil Unterschenkelbeschwerden (vorderer und innerer Anteil).
Zur
spezielle
n Schmerztherapie im
Hüftgelenk
s
- und
Leistenbereich kann vorgenannte Methode verändert angewendet werden (der sog.
3 in 1-Block oder die Plexus lumbalis-Blockade): Wenn man die Menge
der örtlichen Betäubungsmittellösung erhöht (ca. 25-35 ml) und während des
Einspritzens den Oberschenkel abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben
getrieben (innerhalb der Nervenscheide) und betäubt weitere Nerven, die die
genannten Körpergebiete versorgen.
N. ischiadicus: Bei dieser
Methode suchen wir von der Oberschenkelrückseite her, handbreit unter dem
Gesäß,
den
Ischias
nerv in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen
Kunststoffschlauch in die zugehörige Nervenscheide (Gewebsumhüllung) ein. In den
folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine
verdünnte, örtliche Betäubungsmittellösung eingespritzt. Je nach
Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgungsgebiet des Nerven zu einer
Verminderung der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit.
Anwendungsgebiete:
spezielle Schmerztherapie im Bereich des Fußes (Morton
Neuralgie, Fersenschmerzen,
Tarsaltunnelsyndrom) äußerer und hinterer
Unterschenkel (z.B.
Fibulaköpfchen
Syndrom) sowie rückwärtiger Oberschenkel.
N. intercostalis
(Zwischen
rippen
nerv): Dabei legen wir einen Katheter unterhalb der zugehörigen
Rippe ein und spritzen über den Schlauch schmerzfrei alle 4-5 Stunden 2-4 ml
einer höherprozentigen Lokalanästhetikalösung ein. Wir wenden diese Methode
hauptsächlich zur
spezielle
n Schmerztherapie bei der sog.
Interkostalneuralgie,
Thorakalsyndrom,
Brustkorbschmerzen
und Mastodynie
an.
Unterarmnerven: Die Nerven
ulnaris, radialis und medianus können bei entsprechendem Schmerzbild
ebenfalls mit einem Katheter versorgt werden. Dabei genügen mehrmals täglich
nur wenige Milliliter eines örtlichen Betäubungsmittels, um deutliche
Schmerzlinderung oder Schmerzfreiheit zu erzielen.
Anwendungsgebiete: z.B. allgemein Unterarmschmerzen,
Schmerztherapie bei
Karpaltunnel
Syndrom, Cheiralgia
paraesthetica oder
Sulcus-ulnaris-Syndrom.
Die sog. paravertebrale
Kathetertechnik: Dabei pflanzen wir den Katheter neben der Wirbelsäule an
die betroffene Nervenwurzel ein, ebenfalls mittels einer Blindpunktion. Die
korrekte Lage haben wir auch hier durch eine elektrische Stimulation überprüft.
Diese Methode kommt hauptsächlich bei relativ eng umschriebenen
Lumbalsyndromen
(Kreuzschmerzen),
oder auch
Nervenwurzelkompressionssyndrom
e zur Anwendung.
Der sog. Triggerpunktkatheter:
Triggerpunkte sind eng umschriebene Gewebsareale. Z.B. durch mechanischen Druck
auf diese umschriebenen Gewebsbereiche läßt sich die für den Patient typische
Schmerzsensation auslösen oder deutlich verstärken. Wird der Bereich mit einem
örtlichen Betäubungsmittel infiltriert, setzt in der Regel prompt eine deutliche
Schmerzlinderung, oft auch Schmerzfreiheit ein, zunächst jedoch meist nur für
die Dauer der Wirkzeit des verwendeten örtlichen Betäubungsmittels. Wenn die
jeweilige schmerzlindernde oder schmerzstillende Wirkung reproduzierbar ist,
kann ein Katheter implantiert werden. Anwendung: Zur
spezielle
n Schmerztherapie umschriebener
myofaszialer Schmerz
en.
Die kontinuierliche
Stellatumblockade: Das
Ganglion stellatum ist
eine Schaltstelle im sog. Grenzstrang und ist paarig im tieferen Halsbereich
angeordnet. Nach Infiltration des Ganglions mit einem örtlichen
Betäubungsmittel kommt es zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung im
gleichseitigen, sog. oberen Quadranten (Kopf
hälfte,
Schulter
-/
Armbereich
und
Brustkorb
hälfte). Es ist unseren Ärzten
schon 1987 gelungen, auch dafür eine Kathetermethode zu entwickeln. Der Katheter
wird dabei von vorne, neben der Luftröhre eingebracht. Diese Methode kann auch
beidseitig angewendet werden, allerdings muß die Füllung alternierend
(= abwechselnd mit Zeitabstand)
erfolgen.
Die Stellatumblockade mittels einer Injektion gehört an sich schon zur
"hohen Schule" der
spezielle
n Schmerztherapie und wird nur von wenigen, erfahrenen Ärzten
durchgeführt, nicht zuletzt wegen den Komplikationsmöglichkeiten. Die
Möglichkeit einer kontinuierlichen Blockade mit einem Katheter ist daher
optimal. Auch diese Methode wird derzeit nur bei uns durchgeführt.
Anwendungsgebiete: z.B.
spezielle Schmerztherapie bei Gesichtsschmerzen,
Armplexusausriß,
Quadranten-Syndrom.
Die nächsten Methoden sind in der Anästhesie schon bekannt, wurden aber zur spezielle n Schmerztherapie von uns teilweise modifiziert:
- Die
kontinuierliche Blockade des
Plexus brachialis
(= Arm
nerven
geflecht)
mit Katheter: Bei dieser Methode wird im Bereich der Innenseite des
Oberarm
es, nahe der Achselhöhle in örtlicher Betäubung der
Arm
nerv mit einer Kanüle
aufgesucht. Dann wird durch diese Kanüle hindurch ein dünner Kunststoffschlauch
in die Nervenscheide (den Nerv umhüllendes Gewebe) eingeführt und nach oben, zur
Schulter
hin, vorgeschoben. In den nächsten 2-3 Wochen wird der
Kunststoffschlauch mehrmals täglich (bei Bedarf auch nachts) mit einem örtlichen
Betäubungsmittel aufgefüllt. Die Konzentration des Wirkstoffes wird so gewählt, daß die aktive Beweglichkeit erhalten bleibt, die Schmerzempfindlichkeit jedoch
deutlich herabgesetzt oder aufgehoben ist. Während der Behandlung wird die
Schulter
-/Arm
-Region deutlich besser durchblutet. Im Stadium der deutlichen
Schmerzlinderung oder Schmerzfreiheit kann dann intensiv und vor allem sinnvoll
krankengymnastisch behandelt werden.
Anwendungsgebiet:
spezielle Schmerztherapie im Bereich der
Arme
(z.B. Tennisarm).
Spritzt man in den Kunststoffschlauch
eine größere Menge (z.B. 35-45 ml) von dem örtlichen Betäubungsmittel ein und
staut gleichzeitig den Oberarm ab, dann wird der gelöste Wirkstoff innerhalb der
Nervenscheide bis hoch zu den Nervenwurzeln im Halswirbelsäulengebiet getrieben
und wirkt auch dort schmerzlindernd. Auf diese Weise kann ein sog.
HWS-Syndrom
behandelt werden, zumal der Kunststoffschlauch auch beidseitig eingepflanzt
werden kann. Die Erfolge mit dieser Methode in den meisten Fällen doch sehr erstaunlich.
- Die kontinuierliche
Periduralanästhesie mit Katheter wird zur Schmerzausschaltung bei Operationen
allgemein oft angewendet, sie eignet sich vorzüglich auch zur
spezielle
n Schmerztherapie.
Bei dieser Methode wird im Bereich der
Lenden
wirbel (oder
auch höher) ein dünner Kunststoffkatheter in örtlicher Betäubung eingelegt.
Dieser wird dann mehrmals täglich mit einer lang wirkenden, örtlichen Betäubungsmittellösung aufgefüllt. Die Konzentration des Wirkstoffes wird so
gewählt, daß die Beweglichkeit, bzw. Kraft, nicht oder kaum eingeschränkt ist,
so daß sich der Patient trotzdem frei bewegen kann. Gleichzeitig ist aber die
Schmerzempfindlichkeit im Bereich der unteren Körperhälfte vermindert oder gar
aufgehoben. Zusätzlich nimmt die allgemeine Durchblutung in diesem Bereich zu.
Anwendungsgebiet: allg.
Schmerztherapie in der mehr
unteren Körperhälfte (z.B. Bauchschmerzen)
Falls Sie wissen möchten, woher
dieser Text stammt und
wer seit mehr als 22 Jahren ambulant und stationär eine qualifizierte Schmerztherapie und
natürlich für Ärzte auch die volle Weiterbildung zur
eine Weiterbildungsermächtigung für 1 Jahr Anästhesie besitzt (und das als Reha-Einrichtung !!),
neuerdings auch 18 Monate für das Fachgebiet Physikalische und Rehabilitative Medizin und
natürlich auch für die Zusatzbezeichnung Rehabilitationswesen weiterbildungsberechtigt ist,
dann klicken Sie hier.
a k u 02.02.2006 <strong>Spezielle Schmerztherapie</strong>
www.spezielle-schmerz-therapie.de